Stellen Sie sich vor: Sie haben einen Auftrag abgeschlossen, die Rechnung gestellt — und am Monatsende bleibt weniger übrig als erwartet. Der Stundensatz hat irgendwie nicht gepasst. Aber wo genau der Fehler liegt, ist schwer zu sagen.
Dieser Leitfaden erklärt, wie der Stundenverrechnungssatz aufgebaut ist, welche Kostenbestandteile er abdecken muss und wie man ihn Schritt für Schritt berechnet.
Was ist der Stundenverrechnungssatz?
Der Stundenverrechnungssatz (auch: Stundensatz, Verrechnungssatz) ist der Betrag, den ein Handwerksbetrieb pro geleisteter Arbeitsstunde in Rechnung stellt. Er muss so berechnet sein, dass er alle Kosten des Betriebs abdeckt und einen angemessenen Gewinn ermöglicht.
Viele Handwerker setzen ihren Stundensatz intuitiv fest — basierend auf dem, was in der Branche üblich ist, oder auf dem, was Kunden zu zahlen bereit scheinen. Das Problem: Ob dieser Satz tatsächlich alle Kosten deckt, bleibt dabei ungeklärt.
Ein Stundensatz, der nicht auf einer Kalkulation basiert, kann zu hoch oder zu niedrig sein — beides ist problematisch. Zu niedrig bedeutet: Sie arbeiten drauf. Zu hoch bedeutet: Sie verlieren Aufträge.
Die Bestandteile des Stundenverrechnungssatzes
Der Stundenverrechnungssatz setzt sich aus mehreren Kostenblöcken zusammen:
Lohnkosten (Einzelkosten)
Der Bruttolohn der ausführenden Mitarbeiter — einschließlich aller Lohnnebenkosten (Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers, Berufsgenossenschaft, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld). Diese Kosten entstehen direkt für die Arbeitsstunde.
Kalkulatorischer Unternehmerlohn
Wenn der Betriebsinhaber selbst auf der Baustelle arbeitet, muss seine Arbeitszeit ebenfalls bewertet werden — auch wenn er sich kein formales Gehalt zahlt. Der kalkulatorische Unternehmerlohn stellt sicher, dass diese Arbeit nicht kostenlos eingerechnet wird.
Gemeinkosten (Lohngemeinkosten)
Alle Kosten, die nicht direkt einem Auftrag zugeordnet werden können: Miete für Werkstatt oder Büro, Fahrzeugkosten, Versicherungen, Telefon, Verwaltungskosten, Steuerberatung, Werbung, Werkzeugverschleiß. Diese Kosten werden als prozentualer Zuschlag auf die Lohnkosten verteilt.
Gewinnzuschlag
Der Stundensatz sollte nicht nur Kosten decken, sondern auch einen Gewinn ermöglichen — für Investitionen, Rücklagen und die langfristige Entwicklung des Betriebs. Der Gewinnzuschlag wird bewusst und begründet gesetzt.
Produktive Stunden: Der entscheidende Faktor
Ein häufiger Fehler bei der Stundensatzberechnung ist die Überschätzung der produktiven Arbeitsstunden. Ein Mitarbeiter arbeitet zwar 40 Stunden pro Woche — aber nicht alle diese Stunden sind direkt abrechenbar.
Folgende Zeiten sind in der Regel nicht produktiv (d.h. nicht direkt auf Aufträge verrechenbar):
- Urlaub und Feiertage
- Krankheitszeiten
- Fahrzeiten zur Baustelle (je nach Vereinbarung)
- Interne Besprechungen, Materialbestellungen, Büroarbeit
- Maschinenwartung und Rüstzeiten
Realistisch sind in vielen Handwerksbetrieben nur 60–75 % der Gesamtarbeitszeit produktiv und abrechenbar. Wenn Sie diesen Faktor nicht einrechnen, ist Ihr Stundensatz zu niedrig kalkuliert.
Gemeinkosten richtig erfassen
Die Gemeinkosten sind der Teil, der bei der Stundensatzkalkulation am häufigsten unterschätzt wird. Hier eine Übersicht typischer Gemeinkosten in kleinen Handwerksbetrieben:
Warum der Stundensatz regelmäßig überprüft werden sollte
Kosten verändern sich: Mieten steigen, Energiepreise schwanken, Löhne werden angepasst, neue Maschinen kommen hinzu. Ein Stundensatz, der vor zwei Jahren berechnet wurde, passt möglicherweise heute nicht mehr.
Handwerker, die ihren Stundensatz kennen und regelmäßig überprüfen, können auf Kostenveränderungen reagieren — bevor sie sich in der Jahresabrechnung niederschlagen.
Der nächste Schritt: Im Kurs mit eigenen Zahlen rechnen
Dieser Leitfaden gibt einen Überblick über die Grundprinzipien. Die tatsächliche Berechnung — mit Ihren eigenen Betriebszahlen, Ihren Maschinen, Ihren Mitarbeitern — ist der Kern unserer Abendkurse.
In vier Abenden rechnen Sie Ihren persönlichen Stundenverrechnungssatz durch, verstehen jeden Schritt und verlassen den Kurs mit einem Ergebnis, das Sie direkt anwenden können.
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